Berichterstattung nach ESRS – Eine Herausforderung für KMU?
Nachhaltigkeit ist kein Trend, sondern ein zentraler wirtschaftlicher Erfolgsfaktor, der langfristige Wettbewerbsfähigkeit zu sichern hilft. Während Großunternehmen bereits heute zur Erstellung umfassender Nachhaltigkeitsberichte nach den European Sustainability Reporting Standards (ESRS) verpflichtet sind, stellt sich für viele kleine und mittlere Unternehmen (KMU) die Frage: Wie können wir ESG-Kriterien (Umwelt, Soziales, Governance) erfüllen, ohne mit der Berichterstattung überfordert zu sein?
Die ESRS umfassen mehr als 1.000 Datenpunkte und setzen damit hohe Maßstäbe bei der Nachhaltigkeitsberichterstattung. Um KMU den Einstieg zu erleichtern, wurden zwei getrennte Standards entwickelt: LSME für börsennotierte KMU, die zur Berichterstattung verpflichtet sind, und VSME als freiwillige Lösung für nicht-börsennotierte Unternehmen. Beide bieten KMU eine vereinfachte — und damit auch interne Ressourcen schonende Möglichkeit — zur Erstellung von Nachhaltigkeitsberichten. In diesem Beitrag stellen wir beide Standards kurz vor.
LSME – Ein Standard für börsennotierte KMU
Der LSME (Listed Small and Medium-sized Enterprises)-Standard wurde von der European Financial Reporting Advisory Group (EFRAG) mit dem Ziel entwickelt, eine an den Kapazitäten betroffener KMU orientierte, vereinfachte Berichterstattung für börsennotierte KMU zu ermöglichen. Gegenwärtig liegt der Europäischen Kommission der LSME-Standard als Entwurf vor und soll am 1. Januar 2026 in Kraft treten. Für Unternehmen, die mehr Zeit für die Umsetzung benötigen, wird eine optionale zweijährige Übergangsfrist gelten.
VSME – Die freiwillige Alternative für nicht börsennotierte KMU
Für nicht börsennotierte KMU steht mit dem VSME (Voluntary Sustainability Reporting Standard for non-listed SMEs) eine freiwillige Berichtsstruktur zur Verfügung. Die Idee hinter dem VSME: Unternehmen können sich auf steigende ESG-Anforderungen vorbereiten und gleichzeitig ihre Nachhaltigkeitsleistung transparent darstellen – auch ohne gesetzliche Berichtspflicht.
Warum ist eine Beschäftigung mit dem VSME bereits heute sinnvoll? Banken, Investoren und größere Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette fordern zunehmend ESG-Informationen. Unternehmen, die frühzeitig eine strukturierte Berichterstattung etablieren, bleiben wettbewerbsfähig und verbessern ihre Marktposition. Der VSME ist bewusst einfach gehalten und hält den administrativen Aufwand für Unternehmen so gering wie möglich. Konkret umfasst der Standard zwei Module, aus denen KMU wählen können:
1. Basic Module – Der einfache Einstieg
Das Basic Module bildet die Grundlage der Berichterstattung und deckt die wichtigsten ESG-Kriterien in kompakter Form ab:
- Allgemeine Informationen: Unternehmensdaten und erste Nachhaltigkeitsziele
- Umwelt: Energieverbrauch, Emissionen, Wasser- und Ressourcennutzung
- Soziales: Arbeitsbedingungen, Gesundheit & Sicherheit der Belegschaft
- Governance: Korruptionsprävention und Unternehmensethik
2. Comprehensive Module – Für detailliertere Berichte
Das Comprehensive Module baut auf dem Basic Module auf und bietet zusätzliche, tiefere Einblicke:
- Allgemeine Informationen: Nachhaltigkeitsstrategie und Geschäftsmodell
- Umwelt: Klimaziele, Risikobewertung und Anpassungsstrategien
- Soziales: Erweiterte Berichte zur Belegschaft, Menschenrechtsrichtlinien
- Governance: Geschlechterdiversität in der Führungsebene, ethische Standards
Das Modul-Prinzip macht VSME besonders attraktiv: Unternehmen können derzeit selbst entscheiden, wie tief sie in die Nachhaltigkeitsberichterstattung einsteigen – ein flexibles und ressourcenschonendes Konzept, das den individuellen Bedürfnissen und Möglichkeiten von KMU Rechnung trägt.
Warum sich eine freiwillige Nachhaltigkeitsberichterstattung für KMU lohnt
Die Frage, die sich viele Unternehmen stellen: Die freiwillige Berichterstattung nach VSME ist mit Aufwand verbunden, aber lohnt sie sich überhaupt? Die klare Antwort ist: Ja – denn ESG-Kriterien sind längst eine wirtschaftliche Realität: Wer Nachhaltigkeit als integralen Bestandteil seines Geschäftsmodells betrachtet, wird langfristig von mehr Geschäftsmöglichkeiten, besseren Finanzierungskonditionen und einer stärkeren Marktposition profitieren.
Die wichtigsten Vorteile des VSME im Überblick:
✅ Bessere Finanzierungsbedingungen: Banken und Investoren bevorzugen Unternehmen mit klaren ESG-Strategien – Unternehmen mit Nachhaltigkeitsberichten erhalten oft bessere Kreditkonditionen.
✅ Neue Geschäftsmöglichkeiten: Viele größere Unternehmen verlangen von Zulieferern ESG-Daten – wer diese liefern kann, bleibt auch zukünftig ein attraktiver Partner.
✅ Wettbewerbsvorteile: Nachhaltigkeit ist für Kunden ein zunehmend wichtiges Kaufkriterium – transparent kommunizierende Unternehmen haben einen Marktvorteil.
✅ Kosteneffizienz steigern: Wer Ressourcen effizient nutzt und nachhaltige Prozesse implementiert, spart langfristig Betriebskosten.
✅ Vorbereitung auf zukünftige Regularien: Unternehmen, die früh mit der Berichterstattung beginnen, sind regulatorisch abgesichert und müssen später keine hohen Anpassungskosten fürchten.
Fazit: Nachhaltigkeitsberichterstattung als Chance für KMU
Die Einführung von ESG-Standards bedeutet für viele KMU eine neue Herausforderung – gleichzeitig bietet sie auch enorme Chancen. Während für börsennotierte Unternehmen mit LSME eine verpflichtende Berichtsstruktur zur Verfügung steht, können nicht börsennotierte Unternehmen mit VSME eine freiwillige und flexible Lösung nutzen, um sich strategisch für die Zukunft aufzustellen.
Für KMU, die ihre Berichterstattung gezielt aufbauen möchten, empfiehlt sich eine schrittweise Herangehensweise:
- Relevanz prüfen: Welche ESG-Themen sind für das eigene Geschäftsmodell wichtig? Welche Anforderungen gibt es von Banken oder Kunden?
- Mit dem Basic Module starten: Einsteiger können mit den Grunddaten beginnen und später auf das Comprehensive Module erweitern.
- Daten effizient erfassen: Nachhaltigkeitskennzahlen lassen sich oft mit Daten aus bestehenden Unternehmensprozessen kombinieren.
- Externe Partner einbeziehen: Wirtschaftsverbände, Kammern oder Beratungen helfen bei der effizienten Umsetzung. Sprechen Sie uns hierzu gerne bei Fragen zur Berichterstattung an.
- Nachhaltigkeit als Geschäftsvorteil sehen: Wer sich frühzeitig auf ESG-Reporting einstellt, sichert sich Marktchancen und bleibt langfristig wettbewerbsfähig.
Die Entscheidung für eine freiwillige Nachhaltigkeitsberichterstattung nach VSME ist ein strategisch kluger Schritt zur Vorbereitung auf steigenden Marktanforderungen: Nachhaltigkeit ist mehr als eine Pflicht – sie ist eine Chance!